Mittelaltermarkt für Anfänger

Solltet Ihr bei der Lektüre Lust bekommen haben, selbst einen Mittelaltermarkt zu erkunden, findet Ihr hier einige Vokabeln, mit denen man dort auch in den mörderischsten Situationen einen guten Eindruck macht.

"Bader"

Das Badehaus ist ein guter Ort, um bei all dem Trubel auf einem Mittelaltermarkt ein wenig zu entspannen. Wenn man kein Problem damit hat, einen Zuber mit wildfremden Menschen zu teilen, können hier bei einem Becher Wein und einer Massage vom Bader persönlich nette Bekanntschaften geschlossen werden. 

Im Mittelalter hatte der Bader nicht nur dafür zu sorgen, dass immer reichlich heißes Wasser zur Verfügung stand; er führte auch medizinische Eingriffe durch. Das blutige Handwerk der Chirurgen und Wundärzte gehörte in dieser Epoche nicht zu den Aufgabengebieten eines studierten Mediziners. So oblag es u.a. den Badern, gebrochene Knochen zu richten oder Zähne zu ziehen. Natürlich ohne Narkose.

Also: Falls Ihr gemütlich zubert und plötzlich ein grinsender Bader mit einer großen, gruselig aussehende Zange vor Euch steht und verlangt, dass Ihr den Mund aufmacht - lauft!

"Fibel"

Damit ist nicht das Büchlein gemeint, das man zum Schulanfang erhält, sondern eine Gewandnadel. Wer noch einmal an den Anfang dieser Seite scrollt, kann oben links auf dem Tisch, der auf dem Banner zu sehen ist, neben den Äxten und den schönen Hackebeilen ein paar Fibeln erkennen. Die gezeigten Stücke sind aus gebogenem und gedrehtem Schmiedeeisen. Um damit ein Kleidungsstück zu schließen, sticht man die querliegende Nadel durch beide Seiten des Kragens und dreht den Rest dann herum, bis alles festsitzt. 

Ein praktisches Utensil, wenn man beispielsweise von Orks entführt wurde und einen Hinweis für vorbeikommende Waldläufer hinterlassen will.
Weniger praktisch ist diese Gewandnadel, wenn gerade der eigene Umhang in Flammen steht (siehe "Die grüne Fee und der kalte Tod").

"Gewandung"

Wer ohne Gewandung auf einen Mittelaltermarkt geht, erscheint nicht etwa nackt (obwohl sowas auch schon vorgekommen sein soll…). Es bedeutet lediglich, dass sich die- oder derjenige in „normalen“, modernen Klamotten dorthin begibt. Wer sich jedoch in zur Epoche passende, historische Gewänder hüllt, geht – richtig: gewandet. 

Selbst in eine Rolle zu schlüpfen und als Edelfräulein, Söldner, Schildmaid oder Bettelmönch auf Zeitreise zu gehen, ist eine tolle Erfahrung. Allerdings gibt es in Sachen Gewandung himmelweite Unterschiede, was Qualität oder Authentizität angeht. Wofür man sich selbst entscheidet, hängt vom eigenen Anspruch, dem Mittelaltermarkt, den man besuchen will, und der Fülle des Geldbeutels ab. Oder auch von den eigenen Fähigkeiten. Könnt Ihr schneidern? Dann versucht doch mal, aus Omas alten Gardinen ein schickes Schnürkleid mit Goldkäntchen und Trompetenärmeln zu zaubern. Oder schmiedet Euch einen eigenen Helm – wer keine Esse hat, kann ja im Wald nach einem hilfsbereiten Drachen suchen… 

"Met"

Dieses alkoholhaltige Getränk wird aus Honig gemacht und darf auf keinem Mittelaltermarkt fehlen. Es wird heiß oder kalt genossen. Neben dem puren nordischen Göttertrank gibt es auch Kirschmet (das berühmte Wikinger-Blut), Rosenmet, Kaktusfeigenmet usw.
Im Mittelalter war der Genuss von Met den Adligen vorbehalten. Schon im "Nibelungenlied" dürstet es den edlen Siegfried von Xanten eigentlich nach Met, bevor er (Spoiler!) zum Trinken an einer Quelle niederkniet und dort von den lieben Verwandten hinterrücks ermordet wird.

Wichtig: Das "E" in "Met" ist nicht kurz, sondern lang. Auch das "T" wird ganz normal ausgesprochen, nicht etwa wie das englische "Th".
Die Wikinger aßen schließlich weder Brötchen mit Zwiebelmet, noch ruinierten sie sich Zähne und Gehirn mit Crystal Met. 

"Schwert"

Ihr wisst nicht, was ein Schwert ist?!
An den Pranger, aber sofort!

"Taler"

Auch Silberling genannt. Hierbei handelt es sich um das auf Mittelaltermärkten gebräuchliche Synonym für die heutige Währung, den Euro. Wenn also jemand von Euch "zehn der Taler" für einen Becher Met verlangt, müsst Ihr nicht erst mit historischen Wechselkursen jonglieren, um zu wissen: Dieser Preis ist mörderisch!

In den hiesigen Gebieten gab es im Mittelalter übrigens, je nach Region und Herrscher, unterschiedliche Währungen. Nicht nur Könige, sondern auch Grafen, Bischöfe usw. durften ihre ganz eigenen Münzen prägen lassen. Man bezahlte u.a. mit Goldgulden, Weißpfennigen, Haller Pfennigen, Talern, Rappen...

Fun Fact: Wenn heutzutage die Spielleute auf der Mittelaltermarkt-Bühne vom "Silberling" sprechen, ist mitunter kein Geld, sondern die CD der Musikanten gemeint. Die dann wiederum mit Talern erworben werden kann - beziehungsweise mit Euros.

Gar nicht so einfach, oder?